Wenn Sie als M365-Admin oder Datenschutz-Verantwortlicher bislang davon ausgegangen sind, dass Claude in Microsoft 365 Copilot in Ihrem EU-Tenant per Default deaktiviert ist, war das lange richtig - und ist es seit dem 3. April 2026 nur noch die halbe Wahrheit. Microsoft hat an diesem Datum eine zweite, unabhängige Einstellung eingeführt, die Anthropic-Modelle für Copilot in Excel, PowerPoint und Word in EU-, EFTA- und UK-Tenants standardmäßig aktiviert - jedenfalls in Tenants, die nach dem 25. März 2026 erstellt wurden, parallel zur globalen Subprozessor-Einstellung, die weiterhin auf „No users” steht.
Das Ergebnis: Zwei Schalter, zwei unterschiedliche Defaults, und je nach Alter Ihres Tenants möglicherweise ein Zustand, den niemand aktiv gesetzt hat. Wer sich noch auf die alte Faustregel „in der EU ist Anthropic sowieso aus” verlässt, prüft womöglich den falschen Schalter - oder gar keinen.
Dieser Artikel ordnet ein, wo genau Sie beide Einstellungen im Microsoft 365 Admin Center finden, was „aktiviert” vertraglich und geografisch tatsächlich bedeutet, welchen dritten Schalter (Flex Routing) Sie zusätzlich prüfen sollten, und warum die frühere Independent-Processor-Variante keine Option mehr ist. Am Ende steht eine Checkliste, die Sie direkt in Ihrem Tenant durchgehen können.
Zwei Schalter statt einem: Was sich seit April 2026 geändert hat
Microsoft aktiviert Anthropic-Modelle standardmäßig für die meisten Kunden in der Commercial Cloud - mit einer dokumentierten Ausnahme: Europäische Union, EFTA und Vereinigtes Königreich. In diesen Regionen erscheint die globale Einstellung „AI providers operating as Microsoft subprocessors” für Anthropic zwar im Admin Center, steht aber per Default auf „No users”. Das ist die Einstellung, auf die sich die bisherige Erzählung „in der EU per Default aus” stützt - und für sich genommen stimmt sie nach wie vor.
Was seit dem 3. April 2026 dazukommt, ist eine zweite, separate Einstellung: „Copilot in Microsoft 365 apps with Anthropic models”. Sie aktiviert Anthropic als Default-Modell für Copilot-Erlebnisse in den Microsoft-365-Apps - konkret in Excel, PowerPoint und Word. Für Word ist die Anthropic-Modellauswahl inzwischen ausgerollt: Die Release Notes für Microsoft 365 Copilot führen zum 11. August 2026 den Eintrag „Choose Anthropic models when editing with Copilot in Word”. Die Admin-Doku zur App-Einstellung selbst trägt bei Word dagegen weiterhin den älteren Klammerzusatz „support for Anthropic models will be added in summer, 2026” (Stand: August 2026). Diese App-Einstellung steht für EU-, EFTA- und UK-Tenants, die nach dem 25. März 2026 erstellt wurden, standardmäßig auf EIN. Für ältere Tenants verweist Microsoft pauschal auf das Message Center - der tatsächliche Default ist dort also tenantabhängig und in der Dokumentation nicht einheitlich beschrieben.
Diese beiden Einstellungen sind laut Microsoft ausdrücklich getrennt: Änderungen an der App-Einstellung wirken sich nicht auf die globale Subprozessor-Konfiguration aus. Umgekehrt gilt aber eine wichtige Einschränkung - steht die globale Einstellung auf „All users” oder „Specific users and groups” statt „No users”, ist die App-Einstellung gar nicht mehr verfügbar oder änderbar.
Was in der Microsoft-Dokumentation dagegen nicht aufgelöst wird: Wie genau eine per Default eingeschaltete App-Einstellung mit einer global auf „No users” stehenden Subprozessor-Einstellung im laufenden Betrieb zusammenspielt, ist nicht explizit beschrieben. Verlassen Sie sich an dieser Stelle nicht auf eine Paraphrase der Doku - der einzig verlässliche Weg ist, den tatsächlichen Zustand in Ihrem eigenen Tenant nachzusehen.
Schalter 1: Anthropic als Microsoft-Subprozessor aktivieren oder deaktivieren
Diesen Schalter kennen die meisten EU-Admins bereits, er bleibt aber der wichtigere der beiden Hebel, weil er tenantweit über alle Oberflächen hinweg wirkt (Microsoft Copilot, Researcher, Copilot Studio, Power Platform, Copilot in Microsoft-365-Apps).
So finden Sie ihn:
- Microsoft 365 Admin Center → Copilot → Settings → View all
- AI providers operating as Microsoft subprocessors auswählen
- Unter Available subprocessors for your organization: Anthropic auswählen → Save
- Unter Choose who can access Anthropic models for Copilot and generative AI experiences: Nutzer oder Gruppen auswählen → Save
Für den Opt-out (also das aktive Deaktivieren, falls die Einstellung in Ihrem Tenant auf „All users” oder „Specific users and groups” steht) beschreibt Microsoft den Weg minimal anders: Admin Center → Copilot → Settings → Seite User access → AI providers operating as Microsoft subprocessors → Disable Anthropic as a Microsoft subprocessor. Nehmen Sie im Zweifel den Opt-in-Pfad als Referenz und navigieren Sie sich im Zweifel über „View all” zur Übersichtsseite; von dort aus finden Sie beide Aktionen.
Erforderlich ist die Rolle AI Administrator oder Global Administrator. Die Freigabe lässt sich granular auf einzelne Nutzer oder Microsoft-Entra-ID-Sicherheitsgruppen beschränken - inklusive verschachtelter Gruppen, mit bis zu 999 kombinierten Nutzer- und Gruppenzuweisungen pro AI-Provider. Wichtig für die Governance-Praxis: Die Zuweisung erfolgt auf Provider-Ebene, nicht auf Modell-Ebene, und greift einheitlich über Microsoft 365 Admin Center, Power Platform Admin Center und Copilot Studio hinweg. Nicht zugewiesene Nutzer können entsprechende Copilot-Features schlicht nicht nutzen.
Ein Punkt, den Sie vor dem Abschalten kennen sollten: Microsoft weist ausdrücklich darauf hin, dass manche Copilot-Features nur verfügbar sind, wenn Anthropic-Modelle aktiviert sind - welche das konkret sind, benennt die Dokumentation nicht. Planen Sie vor einer flächendeckenden Deaktivierung einen kurzen Funktionstest ein, statt sich allein auf die Doku zu verlassen.
Schalter 2: Anthropic-Modelle in Copilot für Word, Excel und PowerPoint
Den Prüfpfad für die neue App-Einstellung finden Sie an derselben Stelle im Admin Center: Copilot → Settings → View All → AI providers operating as Microsoft subprocessors → dort die für Ihre Organisation korrekte Einstellung bestätigen. Auch hier ist die Rolle AI Administrator ausreichend.
Wichtig ist, dass Sie diesen Schalter nicht mit dem ersten verwechseln - beide tauchen im selben Einstellungsbereich auf, steuern aber unterschiedliche Dinge. Der erste Schalter entscheidet global, ob Anthropic überhaupt als Subprozessor für Ihren Tenant verfügbar ist. Der zweite entscheidet, ob Anthropic-Modelle als Standard für Copilot-Funktionen direkt in Excel, PowerPoint und Word verwendet werden - unabhängig davon, ob Nutzer das aktiv auswählen oder nicht.
Für Tenants, die vor dem 25. März 2026 erstellt wurden, gibt es keinen pauschal dokumentierten Default (Stand: August 2026). Prüfen Sie in diesem Fall zusätzlich das Message Center Ihres Tenants auf entsprechende Mitteilungen von Microsoft - die Doku verweist explizit dorthin, ohne den konkreten Zustand zu nennen.
Anthropic als Subprozessor: Was das für EU Data Boundary und DPA bedeutet
Ist einer der beiden Schalter aktiv, verarbeitet Anthropic als Microsoft-Subprozessor Ihre Daten - mit einer geografischen Konsequenz, die für EU-Organisationen der eigentliche Kern der Bewertung ist: Microsoft dokumentiert wörtlich, dass Anthropic-Modelle in Microsoft Copilot, Researcher, Copilot Studio, Power Platform und Copilot in Microsoft-365-Apps „currently excluded from the EU Data Boundary” sind. Für die App-Einstellung konkret heißt es: Wird ein Anthropic-Modell in Copilot-Erlebnissen in Word, Excel oder PowerPoint verwendet, findet die Datenverarbeitung „outside of the Microsoft EU Data Boundary (EUDB)” statt.
Das ist die Zeile, die in vielen Bewertungen zu einem vorschnellen Schluss führt - „außerhalb der EU verarbeitet, also außerhalb jeder Kontrolle”. Differenzierter ist es so: Außerhalb der EU Data Boundary verarbeitet bedeutet nicht außerhalb des Vertrags. Anthropic agiert hier als Subprozessor „unter Microsoft-Aufsicht durch vertragliche Schutzmaßnahmen und angemessene technische und organisatorische Maßnahmen”. Sofern das jeweilige Modell nicht als „Preview model with Data Retention” gekennzeichnet ist (dazu unten mehr), gelten für die Nutzung weiterhin Microsofts Product Terms und Microsofts Data Protection Addendum - nicht Anthropics eigenes DPA. Die Nutzung fällt außerdem unter Microsofts Enterprise Data Protection.
Konkret bedeutet das: Prompts, Responses und über Microsoft Graph zugegriffene Daten werden laut Microsoft nicht zum Training der zugrunde liegenden Foundation-Modelle verwendet. Prompts und Responses werden geloggt, aufbewahrt und stehen für Audit, eDiscovery und Purview-Funktionen zur Verfügung; Admins können darüber Retention Policies für Copilot-Interaktionen setzen, Nutzer können ihre Copilot-Aktivitätshistorie im My-Account-Portal löschen. Die geografische Zusage der EU Data Boundary fällt bei aktivierten Anthropic-Modellen weg - der vertragliche Rahmen (Microsofts DPA, Product Terms, Enterprise Data Protection) bleibt bestehen.
Eine Einschränkung dieser Einordnung gehört zur Ehrlichkeit dazu: Für bestimmte, separat gekennzeichnete Anthropic-Preview-Modelle mit Data Retention agiert Anthropic nicht als Microsoft-Subprozessor, sondern als unabhängiger Datenverarbeiter nach Anthropics eigenen Commercial Terms und Anthropics eigenem DPA - dann gilt das oben Beschriebene nicht. Diese Preview-Modelle sind aber in jedem Szenario standardmäßig deaktiviert und erfordern einen zusätzlichen, expliziten Admin-Opt-in; sie sind mit den hier besprochenen Standard-Schaltern nicht gemeint.
Flex Routing: der dritte Schalter außerhalb der EU Data Boundary
Neben den beiden Anthropic-spezifischen Einstellungen gibt es einen dritten, allgemeineren Schalter, der in vielen EU-Tenant-Prüfungen übersehen wird: Flex routing. Damit erlauben Sie, dass Microsoft LLM-Inferencing bei Spitzenlast außerhalb der EU Data Boundary durchführt - konkret in den USA, Kanada oder Australien. Daten bleiben laut Microsoft während der Übertragung und im Ruhezustand verschlüsselt; Data at rest bleibt innerhalb der EU Data Boundary, mit Ausnahme begrenzter pseudonymisierter Daten.
Flex Routing ist für berechtigte EU-/EFTA-Tenants, die nach dem 25. März 2026 erstellt wurden, ebenfalls standardmäßig aktiviert (Stand: August 2026). Für ältere Tenants gilt dieselbe Regel wie bei der App-Einstellung: Microsoft verweist auf das Message Center. Den Schalter finden Sie unter Microsoft 365 Admin Center → Copilot → Settings → View all → Flex routing during peak load periods (Rolle: AI Administrator). Die entsprechende Einstellung im Power Platform Admin Center folgt automatisch der M365-Einstellung - außer die PPAC-Einstellung ist restriktiver konfiguriert.
Der Punkt, der Flex Routing für diesen Artikel relevant macht: Es ist eine Einstellung, die unabhängig von den Anthropic-Schaltern greift, aber an denselben Stichtag anknüpft (Tenant-Erstellung nach dem 25. März 2026) und denselben Default-on-Mechanismus für neue Tenants nutzt. Wer nur die Anthropic-Subprozessor-Einstellung prüft, aber Flex Routing übersieht, hat trotzdem eine aktive Verarbeitung außerhalb der EU Data Boundary im Tenant - nur eben herstellerunabhängig und lastabhängig statt modellabhängig.
Was aus der Independent-Processor-Variante wurde
Bis vor Kurzem gab es für EU-/EFTA-/UK-Organisationen einen zweiten Weg, Anthropic-Modelle in Microsoft-365-Umgebungen zu nutzen: als Independent Processor (IP), also unter Anthropics eigenen separaten Commercial Terms und Anthropics eigenem DPA, statt unter Microsofts Vertragsrahmen. Diese Variante wurde zum 1. Mai 2026 abgekündigt. Ist Anthropic in Ihrem Tenant nicht als Microsoft-Subprozessor aktiviert, sind Anthropic-Modelle und die zugehörigen Features seitdem schlicht nicht mehr verfügbar - der IP-Weg existiert als Alternative nicht mehr.
Für die Praxis heißt das: Wenn Ihre Organisation früher unter der IP-Variante opt-in war, müssen Sie erneut opt-in - der entsprechende Toggle steht nach der Umstellung per Default auf Off. Ein automatischer Übergang von der alten IP-Zustimmung in die neue Subprozessor-Zustimmung findet nicht statt. Das ist auch der Moment, an dem Sie sinnvollerweise die komplette Entscheidung neu treffen, statt die alte IP-Freigabe unreflektiert in eine Subprozessor-Freigabe zu übersetzen - die vertragliche Grundlage ist eine andere.
Anthropic in Copilot deaktivieren: Rollen, Rechte und Nebenwirkungen
Eine pauschale Empfehlung „aktivieren” oder „deaktivieren” wäre an dieser Stelle unseriös - die richtige Entscheidung hängt von den Datenklassen ab, die über Copilot in Excel, PowerPoint und Word tatsächlich verarbeitet werden, und von Ihren vertraglichen oder regulatorischen Rahmenbedingungen.
Aktivieren ist vertretbar, wenn Ihre Organisation überwiegend mit Daten arbeitet, für die keine vertragliche oder regulatorische Pflicht zur ausschließlichen EU-Verarbeitung besteht, wenn Sie Microsofts DPA, Product Terms und Enterprise Data Protection als ausreichenden vertraglichen Rahmen für Ihre Risikobewertung akzeptieren, und wenn Sie vom Zugriff auf Anthropic-Modelle für bestimmte Copilot-Anwendungsfälle konkret profitieren wollen. Nutzen Sie in diesem Fall die granulare Freigabe auf Nutzer- oder Gruppenebene, statt die Freigabe pauschal für den gesamten Tenant zu erteilen - das begrenzt die Anzahl der Personen, die überhaupt mit außerhalb der EU Data Boundary verarbeiteten Daten arbeiten.
Deaktivieren sollten Organisationen, die vertraglich oder regulatorisch an eine EU-Verarbeitungszusage gebunden sind, die mit besonders sensiblen Datenkategorien arbeiten (etwa Gesundheitsdaten, Personalakten mit erhöhtem Schutzbedarf oder Daten unter kundenseitigen Datenresidenz-Klauseln), oder die aus Governance-Prinzip keine stillschweigenden Default-Änderungen ohne aktive Einzelfallprüfung akzeptieren wollen. Da beide App-Einstellung und Flex Routing für neuere Tenants standardmäßig aktiv sind, bedeutet „keine Entscheidung treffen” in diesen Tenants faktisch „aktiviert” - das ist ein für viele Organisationen unerwarteter Ausgangszustand, den es aktiv zu korrigieren gilt, falls er nicht gewollt ist.
Ähnliche Governance-Fragen stellen sich generell beim Betrieb von KI-Agenten und -Assistenten im Unternehmen - Grundprinzipien für einen kontrollierten Rollout haben wir bereits in unserem Artikel zu Zero Trust für KI-Agenten eingeordnet.
Checkliste: Was EU-Admins jetzt prüfen sollten
- Prüfen Sie im Microsoft 365 Admin Center unter Copilot → Settings → View all → AI providers operating as Microsoft subprocessors den aktuellen Zustand der globalen Subprozessor-Einstellung für Anthropic - verlassen Sie sich nicht auf den dokumentierten Default, sondern auf den tatsächlichen Tenant-Zustand.
- Prüfen Sie an derselben Stelle den Zustand der App-Einstellung „Copilot in Microsoft 365 apps with Anthropic models” separat - sie ist ein eigener Schalter mit eigenem Default.
- Klären Sie, wann Ihr Tenant erstellt wurde: Vor oder nach dem 25. März 2026 entscheidet, ob die dokumentierten Defaults für Sie überhaupt gelten oder ob Sie zusätzlich im Message Center nachsehen müssen.
- Prüfen Sie den Flex-Routing-Schalter unter Copilot → Settings → View all → Flex routing during peak load periods - unabhängig von den beiden Anthropic-Einstellungen.
- Ordnen Sie ein, welche Datenklassen über Copilot in Excel, PowerPoint und Word tatsächlich verarbeitet werden, und gleichen Sie das gegen Ihre vertraglichen oder regulatorischen Anforderungen an EU-Verarbeitung ab.
- Falls Ihre Organisation früher als Independent Processor opt-in war: Treffen Sie die Entscheidung aktiv neu - die alte Zustimmung ist mit der Abkündigung zum 1. Mai 2026 hinfällig, der Toggle steht wieder auf Off.
- Falls Sie aktivieren: Nutzen Sie granulare Freigabe auf Nutzer- oder Entra-ID-Gruppenebene statt einer pauschalen Freigabe für den gesamten Tenant.
- Falls Sie deaktivieren: Testen Sie vorher, welche Copilot-Features dadurch wegfallen - die Dokumentation benennt den Funktionsumfang nicht vollständig.
- Dokumentieren Sie den geprüften Zustand samt Prüfdatum für Ihr Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten beziehungsweise Ihre technischen und organisatorischen Maßnahmen.
Die Transparenzlücke, die bleibt
Auch nach dieser Einordnung bleibt ein Punkt offen, den die Microsoft-Dokumentation nicht beantwortet: Welche konkreten Datenfelder - Prompt-Inhalt, über Microsoft Graph gezogene Grounding-Daten, pseudonyme Nutzer-ID, Tenant-ID und Weiteres - im Detail an Anthropic übermittelt werden, wenn ein Subprozessor-Modell in Copilot genutzt wird, und wie lange Anthropic diese im Einzelnen vorhält, haben wir in der öffentlich zugänglichen Microsoft-Learn-Dokumentation nicht granular aufgeschlüsselt gefunden (Stand: August 2026). Dokumentiert ist nur, dass Microsofts DPA, Product Terms und Enterprise Data Protection greifen - nicht, welche Datenfelder das im Detail umfasst.
Für Ihre eigene Datenschutz-Dokumentation heißt das: Sie können die vertragliche Einordnung (Subprozessor, Microsofts DPA, EU Data Boundary ausgenommen) belegen, aber keine granulare Datenfluss-Beschreibung auf Feldebene daraus ableiten. Wer diese Tiefe für seine Verarbeitungsdokumentation braucht, sollte das Service Trust Portal (Subprozessorenliste) als ergänzende Quelle heranziehen und die Lücke gegenüber der eigenen Rechts- oder Datenschutzabteilung offen benennen, statt sie stillschweigend zu überbrücken.
Häufige Fragen zu Claude in Microsoft 365 Copilot
Ist Claude in Microsoft 365 Copilot in der EU standardmäßig aktiviert?
Das hängt vom Schalter ab: Die globale Subprozessor-Einstellung steht in EU-/EFTA-/UK-Tenants weiterhin per Default auf „No users”. Die separate App-Einstellung für Copilot in Excel, PowerPoint und Word ist dagegen für Tenants, die nach dem 25. März 2026 erstellt wurden, standardmäßig aktiviert. Für ältere Tenants ist der Default nicht einheitlich dokumentiert - prüfen Sie das Message Center.
Wie deaktiviere ich Anthropic in Microsoft 365 Copilot?
- Microsoft 365 Admin Center → Copilot → Settings → Seite „User access”
- „AI providers operating as Microsoft subprocessors” öffnen
- „Disable Anthropic as a Microsoft subprocessor” wählen
Erforderlich ist die Rolle AI Administrator oder Global Administrator.
Gilt bei Anthropic-Modellen in Copilot Anthropics eigenes DPA?
Nein - es gelten Microsofts Product Terms und Microsofts Data Protection Addendum, sofern es sich nicht um separat gekennzeichnete Preview-Modelle mit Data Retention handelt. Anthropic agiert unter Microsofts vertraglicher Aufsicht, auch wenn die Verarbeitung außerhalb der EU Data Boundary stattfindet. Nutzen Sie Claude dagegen direkt oder über Foundry, gilt stattdessen Anthropics eigenes DPA - Details dazu ordnet unser Artikel zu Anthropics DPA und Zertifizierungen ein.
Werden Copilot-Daten mit Anthropic-Modellen außerhalb der EU verarbeitet?
Ja, außerhalb der EU Data Boundary - Microsoft dokumentiert das ausdrücklich für Anthropic-Modelle in Copilot. Außerhalb der EU Data Boundary verarbeitet bedeutet aber nicht außerhalb des Vertrags: Microsofts DPA, Product Terms und Enterprise Data Protection gelten weiterhin.
Was ist mit der früheren Independent-Processor-Option passiert?
Sie wurde zum 1. Mai 2026 abgekündigt. Wer zuvor unter dieser Variante opt-in war, muss die Entscheidung über die Subprozessor-Einstellung neu treffen - der Toggle steht nach der Umstellung per Default auf Off.
Muss ich Flex Routing separat prüfen, wenn ich Anthropic bereits deaktiviert habe?
Ja. Flex Routing ist ein eigener, herstellerunabhängiger Schalter für Lastspitzen-Routing außerhalb der EU Data Boundary und unabhängig von den Anthropic-spezifischen Einstellungen aktiv oder inaktiv.
Fazit
Die Faustregel „Anthropic ist in der EU per Default aus” ist seit April 2026 unvollständig: Neben der weiterhin restriktiven globalen Subprozessor-Einstellung gibt es mit der App-Einstellung für Copilot in Microsoft-365-Apps und mit Flex Routing zwei zusätzliche Schalter, die für neuere EU-Tenants standardmäßig aktiviert sind. Keiner dieser Schalter bedeutet automatisch ein Datenschutzproblem - Anthropic bleibt als Subprozessor unter Microsofts DPA und Product Terms, nicht unter eigenem Vertragsrahmen - , aber jeder bedeutet eine Verarbeitung außerhalb der EU Data Boundary, die Sie aktiv geprüft und nicht nur stillschweigend hingenommen haben sollten. Gehen Sie die Checkliste in diesem Artikel in Ihrem eigenen Tenant durch, bevor Sie sich auf einen der beiden Defaults verlassen - dieser Text ersetzt dabei keine Rechtsberatung.
Quellen (Stand: August 2026):
- https://learn.microsoft.com/en-us/microsoft-365/copilot/connect-to-ai-subprocessor
- https://learn.microsoft.com/en-us/microsoft-365/copilot/copilot-anthropic-apps
- https://learn.microsoft.com/en-us/microsoft-365/copilot/copilot-flex-routing
- https://learn.microsoft.com/en-us/microsoft-365/copilot/copilot-ai-provider-user-sec-group-access
- https://learn.microsoft.com/en-us/microsoft-365/copilot/microsoft-365-copilot-privacy
- https://learn.microsoft.com/en-us/microsoft-365/copilot/release-notes
- https://learn.microsoft.com/en-us/microsoft-365/copilot/ai-models-overview
- https://learn.microsoft.com/en-us/microsoft-365/copilot/manage-preview-ai-models
- https://learn.microsoft.com/en-us/privacy/eudb/eu-data-boundary-learn
- https://learn.microsoft.com/en-us/privacy/eudb/eu-data-boundary-ongoing-partial-transfers